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Kinderherzchirurgie

Leiter:
Prof. Dr. med. Robert Cesnjevar
Kinderklinik, Kinderherzchirurgie, Uni-Klinikum

"Dass Leon überlebt hat, ist das Weihnachtswunder von Erlangen"

Das perfekte Zusammenspiel von Polizei, Rettungskräften und Ärzten rettete Sechsjährigen nach Ertrinken - Eltern dankten allen Beteiligten

"Das perfekte Zusammenspiel von Polizei, Sanitätern, Pflegekräften und Ärzten hat Leon das Leben gerettet", sagt Prof. Dr. Robert Cesnjevar, Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen, der zusammen mit Experten anderer Fachdisziplinen tagelang um das Leben des Jungen gekämpft hatte. Der Sechsjährige war wenige Tage vor Weihnachten bei Fürth in den Main-Donau-Kanal gefallen und befand sich einige Minuten unter Wasser. Vor wenigen Tagen konnte Leon völlig gesund aus dem Uni-Klinikum Erlangen entlassen werden. Dass Leon überlebt und durch den Unfall keine bleibenden Schäden erlitten hat, ist für Prof. Cesnjevar "das Weihnachtswunder von Erlangen". Bei einem Pressetermin am Montag, 25.01.2015, dankten die Eltern zusammen mit Leon allen Rettern, Ärzten und Pflegekräften.
"Alles bestens." Neuropädiater Philipp Bornschlegl untersuchte Leons Reflexe im Beisein seiner Mutter Sandra Janner. Foto: Uni-Klinikum Erlangen

Das Drama begann am frühen Sonntagnachmittag des vierten Advents (20.12.2015). Der kleine Leon soll mit seinem Freund die kurze Strecke zum Schrebergarten seiner Eltern laufen, der am Ufer des Main-Donau-Kanals liegt. Plötzlich geht Leon ans Ufer, rutscht aus und fällt über die Kaimauer in das eiskalte Wasser. Sein Freund rennt sofort zu Leons Vater, der gerade nur wenige Meter entfernt sein Auto auslädt. Passanten am gegenüberliegenden Ufer zeigen ihm die Stelle, an der sein Sohn in den Kanal gefallen ist. Der Vater springt sofort hinein und taucht immer wieder in das gut zwei Meter tiefe, trübe Wasser. Verzweifelt tastet er den Grund ab. Mittlerweile ist eine Polizeistreife eingetroffen, die die Passanten alarmiert hatten. Eine Polizistin springt ebenfalls ins Wasser und hilft bei der Suche. Nach langen Minuten greift der Vater endlich den Arm des Jungen. Gemeinsam mit der Polizistin zieht er Leon aus dem Wasser. Am Ufer beginnt ein zweiter Polizist mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Hubschrauber, Feuerwehr und drei Rettungswagen kommen zum Unglücksort. Das verunglückte Kind wird vom Notarzt und von Sanitätern des Bayerischen Roten Kreuzes erfolgreich reanimiert und sofort ins Uni-Klinikum Erlangen gebracht. Seine Körpertemperatur ist mittlerweile stark gesunken.

Optimale Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Kinderklinik

Im Uni-Klinikum Erlangen wird Leon zunächst im Schockraum der Chirurgischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Robert Grützmann) versorgt und dann auf die Intensivstation der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) verlegt. Für Oberarzt Dr. Hans-Georg Topf war sofort klar, dass die Lage mehr als ernst ist: "Leon wurde mit 26 Grad Körpertemperatur bei uns eingeliefert", erinnert sich Dr. Topf, Leiter der Intensivstation der Kinderklinik. Durch die geringe Körpertemperatur wurden Leons Organe bis zum Eintreffen im Krankenhaus gegen Funktionsverlust geschützt. "Wäre der Junge sofort an der Unfallstelle aufgewärmt worden, wäre das fatal gewesen", so Dr. Topf. Die Rettungskräfte hätten den Jungen "optimal versorgt, weil sie ihn reanimiert und dann unterkühlt in die Klinik gefahren haben. Die Rettungskette hat perfekt funktioniert." Im Uni-Klinikum Erlangen wurde Leon dann in enger Kooperation mit Dr. Boris Singler aus der Anästhesiologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Schüttler) langsam "aufgetaut". Dazu wurde zunächst über einen Katheter in der Leiste eine Wärmeeinheit, die ähnlich wie ein Wasserdurchlauferhitzer funktioniert, zur Bluterwärmung angeschlossen. Leons Blut wurde pro Stunde um 0,3 Grad erwärmt.

Im Laufe der Nacht versagte dann plötzlich Leons Lunge. Aus der Kinderherzchirurgie wurde Prof. Cesnjevar alarmiert, der den Jungen an die ECMO anschloss. Morgens um 3.30 Uhr konnten die Ärzte den Eltern endlich ein wenig Mut machen: "Leons Zustand ist stabil." Die Sorge der Eltern blieb, dass ihr Sohn vielleicht schwere Hirnschäden erlitten habe oder gar hirntot sei. "Glücklicherweise war aber zu allen Zeiten die Hirndurchblutung nachweisbar", so Dr. Topf. Am nächsten Tag konnten die Ärzte bei den Eltern Entwarnung geben: Leon ist nicht hirntot. Stundenlang wachten die Eltern Sandra J. (42) und Marcus J. (47) in den nächsten Tagen am Krankenbett und hofften, dass ihr Junge wieder erwacht. "In dieser Zeit gab mir meine Familie Kraft, sonst hätte ich es nicht durchgestanden", sagt Sandra J. Nachdem sich die Lungensituation stabilisiert hatte, konnte die ECMO entfernt werden. Leon durfte aufwachen. Am Heiligabend dann das kleine Wunder: Leon öffnete das erste Mal nach dem Unfall kurz seine Augen. Die Ärzte ließen ihn aber noch einen Tag schlafen. Am ersten Weihnachtsfeiertag wachte Leon dann vor den Augen seine Eltern auf. "Hallo Mama, hallo Papa!", waren seine ersten Worte. "Ich habe Durst!" Nach MRT-Untersuchungen durch die Radiologen und die Neuropädiater des Uni-Klinikums Erlangen stand fest: Leon hatte seinen Unfall ohne bleibende Schäden überstanden. Nur die Punktionsstelle rechts am Hals, an der die ECMO angeschlossen war, blieb noch für ein paar Tage als kleine Erinnerung an das Geschehene. Mittlerweile ist Leon wieder zu Hause bei seinen fünf Geschwistern und geht wieder in die erste Klasse, wenn er nicht nachmittags mit seinem Fahrrad oder Skateboard unterwegs ist. "Man merkt ihm nicht an, dass er so einen schweren Unfall hatte", sagt Sandra J. "Leon ist wieder derselbe Wirbelwind wie früher."

Dankesschreiben der Mutter

Sanda J. verfasste jetzt folgendes Dankesschreiben: "Unser Leon ist endlich wieder zu Hause. Der Tag, an dem er in den Kanal gefallen ist, war der schlimmste Tag in unserem Leben. Niemand wusste, wie es weitergeht und was die Zukunft bringt. Aber Leon hat sich wieder ins Leben zurück gekämpft und wir können alle wieder aufatmen. Nach fünf Tagen im Koma machte Leon die Augen wieder auf und sagte "Hallo Mama!". Das war das beste, schönste, einfach das tollste Geschenk, das eine Mutter zu Weihnachten bekommen kann. Leon ist wieder vollkommen gesund. Im MRT haben die Spezialisten des Uni-Klinikums keine Schäden oder Auffälligkeiten im Kopf gefunden. Es ist einfach ein Wunder. Das sagen auch die Ärzte. Wir sind alle mehr als erleichtert, dass Leon wieder ganz gesund ist. Nach den Weihnachtsferien durfte Leon gleich wieder in die Schule gehen. Er ist wieder der alte Rabauke und wir alle sind froh, dass er wieder gesund und munter bei uns ist.

Ein großes Danke an alle, die für Leon gebetet und uns in Gedanken begleitet haben, an alle, die uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben. Wir haben erst später mitbekommen, welche Anteilnahme es von vielen Menschen um uns herum gab. Ein riesen Danke an die Polizei, Feuerwehr und die Rettungshelfer, die ihr Bestes gegeben haben, um unserem Kleinen best- und schnellstmöglich zu helfen. Ganz besonders auch an das Uni-Klinikum Erlangen mit seinen Ärzten und Pflegekräften ein ganz großes Danke. Sie haben uns auch die ganze Zeit mit unterstützt. Dem Dank schließen sich auch die Geschwister von Leon an und alle Angehörigen."

Weitere Informationen:

Johannes Eissing
Telefon: 09131 85-36102
E-Mail: presseatuk-erlangen.de

Erzählte von den dramatischen Minuten am Kanal - Leons Vater Marcus Janner im Beisein der behandelnden Ärzte (von links): Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher, Dr. Hans-Georg Topf und Prof. Dr. Robert Cesnjevar. Foto: Uni-Klinikum Erlangen
 

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