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Kinderherzchirurgie

Leiter:
Prof. Dr. med. Robert Cesnjevar
Uni-Klinikum, Kinderherzchirurgie

„Ein Herz, das kann man reparier’n“

Die zehnjährige Josefine besucht den Kinderherzchirurgen Prof. Dr. Robert Cesnjevar, der sie als Baby am Herzen operierte

Josefine hat viele Fragen. Mit einem Blatt Papier voller handgeschriebener Stichpunkte sitzt sie vor Prof. Dr. Robert Cesnjevar, dem Leiter der Kinderherzchirurgischen Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen. „Was war eigentlich bei mir nicht in Ordnung?“, will die Zehnjährige wissen. „Herzfehler sind eine Laune der Natur“, erklärt ihr Prof. Cesnjevar, der sie im Alter von sechs Wochen operierte. „Das Herz ist ein sehr kompliziertes System. Man wundert sich, dass da nicht mehr Fehler passieren“, fährt er fort. „Drei Viertel der Herzfehler bei Kindern müssen wir operieren.“
„Haben Sie Kinder? Was essen Sie eigentlich am liebsten? Und was ist Ihr größter Wunsch?“, fragt Josefine und lässt Prof. Dr. Robert Cesnjevar ihr Freundebuch ausfüllen. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen

Josefine und ihre Eltern fahren seit zehn Jahren regelmäßig aus Nürnberg zum Uni-Klinikum Erlangen − immer am Tag der OP. „Wir spazieren zur Kinderklinik, zünden in der Herz-Jesu-Kirche eine Kerze an und sind einfach dankbar, dass Josefine damals gerettet wurde“, sagt Mutter Sabine Wangel. Damals – das war im Herbst 2009. Bei der U2-Untersuchung war noch alles in Ordnung. Bei der U3 in der vierten Lebenswoche berichteten die Eltern dann vom hektischen Schnaufen ihres Babys; die damalige Kinderärztin hörte ein auffälliges Herzgeräusch. Sabine Wangel und ihr Mann wandten sich an einen niedergelassenen Kardiologen. „Der schickte uns sofort nach Erlangen. Und von heute auf morgen hatte Josefine einen schweren Herzfehler“, erinnert sich Sabine Wangel. Diagnose: Lungenvenenfehlmündung. Das bedeutet: Durch den Körper des Mädchens strömte zu wenig sauerstoffreiches Blut, und zu viel sauerstoffreiches Blut wurde zurück zur Lunge gepresst.

„Wir mussten sie zügig operieren, um Schäden am Herzen und an der Lunge zu vermeiden. Der Blutdruck im Lungenkreislauf war extrem hoch“, erklärt Prof. Cesnjevar. Vor der schwierigen Herz-OP wurde das kleine Mädchen notgetauft. Sein Leben lag nun in den Händen der Erlanger Kinderherzchirurgen. Heute geht es Josefine gut. Sie fragt: „Was wollten Sie eigentlich als Kind werden?“, und sieht dabei Prof. Cesnjevar neugierig an. „Astronaut. Und weil sie in der Raumfahrt Mediziner gesucht haben, bin ich Arzt geworden“, antwortet Robert Cesnjevar. „Haben Sie manchmal Angst, wenn Sie operieren?“, will die Viertklässlerin als Nächstes wissen. „Nein. Angst hat man vor Sachen, die man nicht kann oder noch nie gemacht hat. Aber ich kann ja operieren.“

400 Eingriffe an Kinderherzen machen Robert Cesnjevar und sein Team pro Jahr; so komplex wie Josefines OP sind etwa 250. Passend dazu antwortet der Kinderherzchirurg auf die Frage nach seinem Lieblingslied: „Ein Herz, das kann man reparier’n“, zitiert er eine Zeile aus einem Udo-Lindenberg-Hit und schreibt sie in das Freundebuch, das Josefine ihm zum Ausfüllen mitgebracht hat. Die Eltern lachen. Ja, auch das Herz ihrer Tochter ist heute wieder „ganz“. Josefine tanzt Ballett und spielt Schlagzeug, sie hat ihren Rhythmus gefunden – genau wie ihr Herz. „Sie ist eine Kämpferin“, sagt ihre Mutter. Und wenn sie nicht tanzt oder Musik macht, geht die Zehnjährige schwimmen; bald möchte sie an einem Tauchkurs teilnehmen. „Das ist auch nach einer Herz-OP kein Problem, wenn die Tauchgänge nicht zu weit nach unten führen. Alles tiefer als sieben Meter ist nämlich sehr ungesund“, erklärt ihr Prof. Cesnjevar.

Nachdem er auch die Fragen nach seinem Lieblingsessen, seinen größten Wünschen und Lieblingsbüchern beantwortet hat, nimmt Prof. Cesnjevar die Familie mit zu einem Rundgang zur Intensivstation und über die kinderkardiologische Station, wo die Eltern gleich „Pfleger Robert“ identifizieren. Viele Stunden haben sie 2009 hier am Bett ihrer kleinen Tochter verbracht. „80 Prozent des Personals von damals sind noch da“, schätzt Robert Cesnjevar, während er mit Josefine und ihren Eltern vor einer Wand mit Mitarbeiterfotos steht. Josefine überreicht dem Stationsteam ein Geschenk und darf selbst „Erwin“ mit nach Hause nehmen − eine Plüschpuppe, in deren Bauch herausnehmbare Organe stecken. „Ich dachte mir: Wenn man so viele Fragen hat wie du, kann man damit sicher noch ganz viel lernen“, so Prof. Cesnjevar.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Robert Cesnjevar
Tel.: 09131 85-34010
E-Mail: kinderherzchirurgieatuk-erlangen.de

Ihre Plüschhasen begleiten die zehnjährige Josefine seit ihrer Geburt. Sie dürfen natürlich auch beim Besuch im Uni-Klinikum Erlangen nicht fehlen. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
Nach zehn Jahren kehren Josefine und ihre Eltern zurück an den Ort, an dem das Leben des Mädchens 2009 gerettet wurde: in die Kinderherzchirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen
 

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