Aortenbogenstenosenkorrektur in tiefer Hypothermie mit "Low-Flow-Perfusion" ohne Kreislaufstillstand

Kinderherzchirurgie

Leiter:
Prof. Dr. med. Robert Cesnjevar

Aortenbogenstenosenkorrektur in tiefer Hypothermie mit "Low-Flow-Perfusion" ohne Kreislaufstillstand

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R. Cesnjevar, F. Harig, A. Reimann, F. Münch, E. Vestweber-Wilmes, J. Bretzger, M. Weyand
Zentrum für Herzchirurgie der Universitätsklinik Erlangen-Nürnberg

Zusammenfassung

Neununddreißig Kinder mit Aortenbogenhypoplasie oder unterbrochenem Aortenbogen wurden im Zeitraum von 4/1999 bis 2/2003 operiert. Die letzten 17 Patienten (Gruppe 1) dieses Patientenkollektivs wurden in kontinuierlicher hypothermer Low-Flow-Perfusion (10–30 % des Sollflusses) über den Truncus brachiocephalicus rechts operiert. Das Alter der Patienten in Gruppe 1 lag zwischen 0 Monaten und 15 Jahren, hierzu gehörten 8 Neugeborene und 2 Patienten mit einem Alter von weniger als 6 Monaten. Das routinemäßige überwachen des arteriellen Blutdruckes über zwei arterielle Katheter (A. radialis oder brachialis rechts und eine Femoralarterie) gab optimale Informationen über die jeweilige Hämodynamik und die Perfusionsverhältnisse der unteren Körperhälfte des Patienten. Darüber hinaus konnten relevante postoperative Gradienten erfasst werden.

Die verbleibenden 22 Patienten (Gruppe 2) wurden in herkömmlicher Perfusionstechnik mit tiefer Ganzkörperhypothermie und Kreislaufstillstand operiert.

Die Altersverteilung von 0 Monaten bis 16 Jahren in Gruppe 2 war der in Gruppe 1 vergleichbar. Gruppe 2 beinhaltete 12 Neugeborene und 3 Patienten mit einem Alter von weniger als einem Jahr. Es waren keine neurologischen Störungen in Gruppe 1 nachweisbar, ein Patient verstarb früh nach der Operation. Zwei Patienten mit komplexen kombinierten Vitien starben in Gruppe 2. Zwei der verbliebenen Überlebenden wurden aufgrund epileptiformer Anfälle antikonvulsiv behandelt.Vier der Patienten aus der Kreislaufstillstands-Gruppe zeigten entwicklungsneurologischeStörungen. Es wurden keine weiteren Komplikationen in beiden Gruppen beobachtet.

Aus unseren Beobachtungen folgern wir, dass Aortenbogenkorrekturen in Low-Flow-Perfusion ohne hypothermen Kreislaufstillstand auch bei Neugeborenen mit verbessertem neurologischen Outcome sicher durchzuführen sind. Ob eine langfristige, deutliche Verbesserung des Patientenoutcomes vorliegt, müssen weitere Studien an größeren Fallzahlen mit längerer Nachbeobachtung klären.